Stress und Angstzustände bei Katzen und Hunden

Tipps und Tricks für einen Weg aus der Angst.

Wenn wir über Stress und Angst bei Haustieren sprechen, entsteht oft sofort das Bild des typischen „Angsthundes“, der stundenlang die Wohnung zusammenbellt oder sich beim Spaziergang hinter den Beinen seines Herrchens zusammenkauert. Doch Angst und Stress bei unseren Haustieren haben viele Gesichter. Wie diese aussehen und wie wir unseren Vierbeinern helfen können, Ängste und Stressoren besser zu bewältigen, behandeln wir in den folgenden Zeilen.

Was ist der „Angsthund“ oder die „scheue Katze“ und wo kommt die Angst her?

Zu Beginn müssen wir darüber sprechen, welche Formen der Angst es gibt. Man unterscheidet zwischen einem Zustand der inneren Unruhe (im Englischen als „Anxiety“ beschrieben), Angstzuständen und regelrechten Phobien.

Jede Form der Angst ist auf ihre Art einzigartig, und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Ein Tier, das Angst hat, versucht aus der Situation zu flüchten oder diese zu vermeiden. Dagegen erscheint für ein Tier mit innerer Nervosität die stressende Situation als unausweichlich und unkontrollierbar. Davon zu unterscheiden sind Phobien; diese gelten als extreme Angstzustände und sind oft nur schwer behandelbar.

Zahlreiche Studien beschreiben einen genetischen Einflussfaktor. So sind einige Rassen und Zuchtlinien besonders häufig betroffen. Erlebte Traumata und Erfahrungen gelten als häufigste Auslöser, aber auch das aktuelle Umfeld kann die Ängste stark beeinflussen. Welpen, die zwischen der 3. und 12. Lebenswoche nur begrenzte Erfahrungen machen konnten, zeigen im späteren Leben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, an Angstzuständen zu leiden.

Der Ursprung der Angst liegt im Gehirn. Das limbische System, das für die emotionale Verarbeitung von Eindrücken verantwortlich ist, wird überstimuliert. Das kortikale System, das für die Problemlösungsfähigkeit verantwortlich ist und als Gegenspieler des limbischen Systems gilt, wird unterdrückt. Das Resultat ist der Verlust logischer Handlungsfähigkeit, und das Verhalten wird primär emotionsgetrieben.

Diese Stimulation erzeugt Schlüsselerinnerungen – sowohl negative als auch positive –, die sich tief ins Gedächtnis eingraben und dort bestehen bleiben.

Wie zeigt sich die Angst?

Angst hat viele Gesichter, jedoch können einige Kardinalsymptome definiert werden:

  • Appetitlosigkeit
  • Übermäßiges Putzen und Juckreiz
  • Unkontrolliertes Kot- und Harnabsetzen oder das Absetzen an ungewöhnlichen Orten
  • Exzessives Bellen, Aggression, Fauchen oder zerstörerisches Verhalten
  • Zittern, Stressschnurren und Verstecken
  • Übermäßige Aktivität oder auffallend wenig Bewegung

Wie kann ich meinem Haustier helfen, besser mit der Angst umzugehen?

Zunächst muss klargestellt werden, dass jeder Fall ein Einzelfall ist und jedes Tier sowie seine Angst einzigartig sind. Dementsprechend gibt es nicht die eine Lösung für jedes Tier und jede Angst. Es gibt jedoch verschiedene Trainingsmethoden und Herangehensweisen, die Halter und Tier dabei unterstützen können, besser mit der Angst umzugehen.

Verhaltenstherapie

Sollte sich ein Hund in bestimmten auslösenden Situationen in extremer Panik befinden, ist es ratsam, diese Situationen zunächst zu vermeiden. Die Einstellung „Das muss er aushalten“ kann die Ängste sogar noch verstärken. Sinnvoller ist ein gezieltes Training mit schwachen Reizen, deren Intensität kontinuierlich gesteigert wird. Man spricht hierbei von einer gezielten und dosierten Desensibilisierung über einen längeren Zeitraum.

Um das Beispiel eines Hundes zu nehmen, der lernen soll, allein zu bleiben: Man kann mit sehr kurzen Intervallen von fünf Minuten beginnen und diese schrittweise verlängern. Diese Art von Verhaltenstraining sollte idealerweise gemeinsam mit einem erfahrenen Trainer durchgeführt werden.

Routine

Wichtig ist auch eine feste Routine im Umgang mit unseren Haustieren. Unregelmäßige Fütterungszeiten können Stress und innere Unruhe fördern. Feste Fress-, Schlaf- und Spielzeiten vermitteln Sicherheit und Berechenbarkeit.

Beruhigende Hilfsmittel

Zusätzlich zu einem umfassenden Verhaltenstraining können auch beruhigende Hilfsmittel eingesetzt werden. Pheromondiffusoren zeigen insbesondere bei Katzen eine hohe Erfolgsrate und können das allgemeine Wohlbefinden deutlich verbessern.

Des Weiteren gibt es positive Erfahrungsberichte zu CBD-Tropfen. Diese wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern können auch angstlösende Eigenschaften besitzen.

Medikamente

Es gibt verschiedene Ansätze der ergänzenden medikamentösen Therapie bei ängstlichen Haustieren. Eine medikamentöse Behandlung sollte stets mit dem Tierarzt abgesprochen werden, da die Wahl der geeigneten Therapie individuell getroffen werden muss.

Es gibt einige auf pflanzlichen Inhaltsstoffen basierende Präparate, die sowohl zur Dauertherapie als auch punktuell vor Stresssituationen eingesetzt werden können. Diese stellen in vielen Fällen die erste Wahl dar.

Des Weiteren gibt es Medikamente mit Pregabalin oder Gabapentin, die insbesondere vor vorhersehbaren Stresssituationen sinnvoll sein können, jedoch nicht für eine Dauertherapie geeignet sind.

Für besonders schwere Fälle stehen auch stärkere Anxiolytika zur Verfügung. Von einer langfristigen Anwendung ist jedoch ebenfalls abzuraten. Sie können allerdings in einer ersten Behandlungsphase sinnvoll sein, um eine Verhaltenstherapie überhaupt erst zu ermöglichen.

Fazit

Jedes Tier ist einzigartig – genauso wie seine Ängste und die Therapie dieser Ängste. Das Wichtigste ist, die Angst zu erkennen und zu respektieren. Gemeinsam mit einem Trainer und dem Tierarzt kann im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes ein Weg aus der Angst oder zumindest ein besserer Umgang mit ihr erarbeitet werden. Dafür gibt es zahlreiche Ansatzpunkte, die individuell ermittelt werden müssen.

Quellen:

Anxious behavior: How to help your dog cope with unsettling situations | Cornell University College of Veterinary Medicine

Anxiety in Dogs and Cats: A Vet’s Guide to Calmer, Happier Pets

How To Handle Anxious Pets As A Veterinarian In 2025

TVP-2019_Pet_Anxiety_01.pdf

Stress and Anxiety - How Do They Impact the Pet? - WSAVA 2014 Congress - VIN

Herny R. Askew (2003). Behandlung von Verhaltensproblemen bei Hund und Katze (2. Auflage). Parey.