Huxleys Weg zurück auf vier starke Pfoten: Kreuzbandriss beim Hund
Huxley, ein 7-jähriger kastrierter Golden Retriever-Rüde, wurde in unserer Klinik vorgestellt, nachdem eine deutliche Lahmheit der linken Hintergliedmaße aufgetreten war. Seine Besitzer hatten beobachtet, dass er seit etwa einer Woche das Bein nicht mehr vollständig belasten wollte, Schwierigkeiten beim bequemen Aufstehen hatte und weniger Freude an seinen gewohnten Spaziergängen und Aktivitäten zeigte.
Nach einer gründlichen orthopädischen Untersuchung wurde die Ursache für Huxleys Beschwerden deutlich: ein Riss des kranialen Kreuzbandes (CCL) im linken Knie.

Vor der Operation: Röntgenaufnahme von Huxleys linkem Knie mit Veränderungen, die mit einem Riss des kranialen Kreuzbandes vereinbar sind.
Was ist ein Kreuzbandriss?
Das kraniale Kreuzband ist eine der wichtigsten stabilisierenden Strukturen im Kniegelenk des Hundes. Es verhindert eine übermäßige Vorwärtsbewegung der Tibia (Schienbein) gegenüber dem Femur (Oberschenkelknochen) und trägt dazu bei, die normale Funktion des Gelenks aufrechtzuerhalten.
Wenn dieses Band teilweise oder vollständig reißt, wird das Knie instabil. Dies führt zu Schmerzen, Entzündungen und Lahmheit und kann im Laufe der Zeit zur Entwicklung einer Arthrose führen.
Im Gegensatz zum Menschen, bei dem ein Kreuzbandriss häufig durch eine plötzliche Sportverletzung entsteht, entwickelt sich eine Kreuzbanderkrankung beim Hund meist schleichend. Das Band wird über Monate oder Jahre hinweg zunehmend geschwächt. Schließlich kann eine ganz normale Bewegung wie Laufen, Wenden oder Springen zu einem vollständigen Riss führen.
Welche Hunde sind besonders häufig betroffen?
Ein Kreuzbandriss kann bei jedem Hund auftreten, bestimmte Rassen sind jedoch häufiger betroffen, darunter:
- Golden Retriever
- Labrador Retriever
- Rottweiler
- Berner Sennenhunde
- Boxer
- Neufundländer
- Staffordshire Terrier
Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, altersbedingte Veränderungen und individuelle anatomische Besonderheiten des Kniegelenks.
Was sind die typischen Anzeichen?
Hunde mit einem Kreuzbandriss können folgende Symptome zeigen:
- Plötzliche oder zunehmende Lahmheit der Hintergliedmaße
- Schwierigkeiten beim Aufstehen aus einer liegenden Position
- Bewegungsunlust oder Zurückhaltung beim Springen
- Steifheit nach Ruhephasen
- Verringerte Aktivität
- Im Laufe der Zeit Muskelabbau an der betroffenen Gliedmaße
Genau diese Anzeichen hatten Huxleys Besitzer bemerkt, bevor sie ihn in unsere Klinik brachten.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlungsempfehlung hängt von der Größe des Hundes, seinem Aktivitätsniveau und seinem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Konservative Behandlung
Bei einigen kleinen Hunden oder Patienten mit erheblichen gesundheitlichen Problemen kann eine konservative Behandlung in Betracht gezogen werden. Diese umfasst in der Regel:
- Gewichtsmanagement
- Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente
- Physiotherapie und Rehabilitation
- Kontrollierte Bewegung
Bei mittelgroßen bis großen Hunden wie Huxley reicht eine konservative Behandlung jedoch häufig nicht aus, um langfristig eine ausreichende Stabilität des Kniegelenks zu gewährleisten.
TPLO-Operation – der Goldstandard
Heute gilt die Tibial Plateau Leveling Osteotomy (TPLO) weithin als Goldstandard für die Behandlung eines Kreuzbandrisses bei den meisten mittelgroßen und großen Hunden.
Bei einer TPLO-Operation wird der Winkel des oberen Teils der Tibia (Schienbein) gezielt verändert, um die Instabilität zu beseitigen, die entsteht, wenn das Kreuzband seine Funktion nicht mehr erfüllt. Anstatt das Kreuzband selbst zu ersetzen, verändert die Operation die Biomechanik des Kniegelenks. Dadurch kann das Gelenk wieder normal und schmerzarm funktionieren.
Die TPLO bietet hervorragende langfristige Ergebnisse und ist besonders für aktive Hunde geeignet, die gerne laufen, wandern, spielen und einen aktiven Lebensstil pflegen.
Die Genesung nach einer TPLO
Eine erfolgreiche Genesung erfordert Geduld, eine sorgfältige Nachsorge und eine enge Zusammenarbeit zwischen dem tierärztlichen Team und dem Besitzer.
Die ersten 2 Wochen
- Strikte Ruhe zu Hause
- Kurze Spaziergänge an der Leine ausschließlich zum Lösen
- Schmerzmanagement und Kontrolle der Operationsstelle
Woche 3–8
- Schrittweise Steigerung der kontrollierten Bewegung
- Physiotherapie und Übungen zur Muskelkräftigung
- Fortlaufende Kontrolle des Wohlbefindens und der Belastung der betroffenen Gliedmaße
Nach etwa 8–10 Wochen
- Kontrollröntgenaufnahmen zur Beurteilung der Knochenheilung
- Schrittweise Rückkehr zu normalen täglichen Aktivitäten
Nach 3–4 Monaten
- Die meisten Hunde haben wieder eine sehr gute Funktion der betroffenen Gliedmaße erreicht
- Rückkehr zu regelmäßigen Spaziergängen, Spielen und vielen sportlichen Aktivitäten
Wie ist die Prognose?
Die Prognose nach einer TPLO-Operation ist ausgezeichnet. Mehr als 90 % der Hunde erreichen langfristig eine gute bis sehr gute Funktion der betroffenen Gliedmaße und können wieder ein komfortables und aktives Leben führen.
Mit einer geeigneten Behandlung und Rehabilitation können die meisten Patienten wieder genießen:
- Lange Spaziergänge
- Spielen mit der Familie und Freunden
- Wanderungen und Outdoor-Abenteuer
- Laufen und andere körperliche Aktivitäten
Für Huxley ist die Prognose sehr vielversprechend. Wir freuen uns darauf, ihn bald wieder dabei zu sehen, wie er das Leben als der glückliche und energiegeladene Golden Retriever genießt, den seine Familie kennt und liebt.
Zusammenfassung
Ein Kreuzbandriss gehört zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen bei Hunden. Eine frühzeitige Diagnose und eine geeignete Behandlung sind entscheidend, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Für aktive mittelgroße und große Hunde gilt die TPLO-Operation weiterhin als Goldstandard. Sie bietet hervorragende langfristige Ergebnisse hinsichtlich Schmerzfreiheit, Stabilität und Lebensqualität.
Wir wünschen Huxley eine reibungslose Genesung und freuen uns darauf, ihn schon bald wieder auf vier starken Pfoten zu sehen.


Nach der Operation: Postoperative Röntgenaufnahme nach einer TPLO-Operation, die die korrigierte Ausrichtung des Tibiaplateaus sowie die Position des chirurgischen Implantats zeigt.

